Dankbarkeit

In unserer Kindheit werden wir schon sehr früh mit dem Thema "Dankbarsein" konfrontiert. Wenn ein Verkäufer eine Wurst- oder Käsescheibe über die Theke reicht oder ein Kassierer einem Kind ein Bonbon gibt, dann bekommen Kinder meist die Frage gestellt:

 

"Was sagt man jetzt?! Wie heißt das?!"

 

und Kinder lernen dann "Danke" zu sagen. Bitte und Danke zu sagen, geschieht im Laufe der Zeit ganz automatisch und gehört zu unserem gesellschaftlichen Umgang mit dazu. Eine tief empfundene Dankbarkeit ist aber etwas ganz anderes, ein starkes Empfinden von einer Art Glück zusammen mit Erleichterung (Definition Erleichterung: Das Nachlassen von Angst).

Dadurch, dass "Danke" aber mit einer Art Pflicht verbunden wird "Das gehört halt so, das sagt man eben.", verspüren manche Menschen bei dem Thema Dankbarkeit ein Unbehagen bzw. einen Widerwillen. Viele Kinder finden es eben doof sich bedanken zu müssen und sie verstehen den Sinn dahinter noch nicht. Wenn sie sich dann weigern, ist der Erziehungsberechtigte vielleicht genervt oder es gibt ein bisschen Ärger oder direkt eine Abwertung "Ihr Kind hat aber keine Manieren!"
. "Danke" ist also eher mit einem unangenehmen Gefühl besetzt, das ggfls. bis ins Erwachsenenalter reicht, auch wenn wir da das Danke-Sagen schon ganz automatisiert haben.

Also: es ist erstmal total verständlich, wenn wir uns mit dem Thema "Dankbarkeit" schwer tun und das Thema vielleicht auch als unnötig oder lästig ansehen. Das frühere Unbehagen schwingt noch mit.

 

 

Zur Dankbarkeit gehören immer mindestens zwei Personen: die Person, die dankbar ist, und die Person, welcher der Dank gebührt.

Für Menschen, die religiös oder spirituell sind, ist das selbstverständlich. Sie danken Gott / der Göttlichkeit / einem höheren Wesen dafür, dass das Göttliche ihnen Gutes tut oder sie vor Bösem bewahrt. Dankbarkeit ist daher auch ein Begriff, der stark mit Religion verknüpft ist. Daher fällt es nicht-religiösen Menschen manchmal auch schwer diesen Begriff zu nutzen, obwohl "Dankbarkeit" natürlich universell ist.

Wenn wir uns dankbar fühlen, können wir uns also fragen, wem unser Dank gebührt. Ohne wessen Hilfe hätten wir etwas alleine nicht geschafft?

Wem bist du wofür dankbar?

 

Uns selbst gegenüber können wir nicht dankbar sein, denn das würde bedeuten, dass wir einen Teil in uns abspalten, dem gegenüber wir dann wiederum dankbar wären.

Wenn wir feststellen, dass wir etwas alleine hinbekommen haben oder dass wir etwas Tolles geschafft haben, dann sind wir uns selbst gegenüber nicht dankbar, sondern stolz.

Stolz auf sich zu sein, ist wiederum für viele ungewohnt, weil Stolz oft mit Arroganz verwechselt wird.

 

Wenn wir abends drei Dinge aufschreiben für die wir in unserem Leben dankbar sind (das sogenannte Dankbarkeitstagebuch) müssen wir uns grundsätzlich überlegen, wem unser Dank gilt: "Ich bin meinen Chef für meinen tollen Job dankbar." oder ob wir auf uns selbst stolz sind "Ich bin stolz darüber, dass ich diesen tollen Job gefunden habe und jeden Morgen aufstehe, um eine super Arbeit abzuliefern.". Das ist schon ein ziemlicher Unterschied.

Unsere alltägliche Dankbarkeit ist eigentlich eher eine Freude "Ich bin froh, dass die Person mir geholfen hat." Wenn wir diese Empfindungen - tiefempfundene Dankbarkeit und Freude - zu stark vermischen, dann wird das ein Einheitsbrei. Und dann kann unser Dankbarkeitstagebuch ein Fake werden und sich komisch anfühlen. Wir glauben dann selbst nicht so recht, was wir da schreiben, weil es eben so auch nicht stimmt.

Wir mühen uns dann ab, um etwas zu finden, wofür wir "dankbar" sind.
Wenn wir Tagebuch schreiben, um damit den Tag zu reflektieren, ist das eine gute Sache. Damit können wir uns auf das sogenannte Positive im Leben konzentrieren, was uns glücklich macht, statt auf das, was uns runterzieht.

 

Das Schwierige an der Dankbarkeit ist, dass wir damit manchmal unsere Eigenverantwortung und unseren eigenen Anteil an unserer Lebensgestaltung schmälern.

Selbst wenn wir z.B. Gott dafür danken, dass wir eine tolle Chance erhalten haben, dann müssen wir

1. diese Chance auch sehen,

 

2. den Mut gehabt haben, diese Chance zu ergreifen und

 

3. die Kraft, die Chance dann auch zu nutzen.

 

Da kann eine höhere Macht machen, was sie will: wie wir unser Leben gestalten, liegt allein an uns.

 


Also trau dich und sei stolz auf dich. Auf das, was du super machst. Und sei dankbar dem Gegenüber, der dich unterstützt hat. Differenziere Beides und stell dein Licht nicht unter den Scheffel. Du gestaltest dein Leben.